Zeitzeugnisse

Ein Poesiealbum aus der Zeit des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik
Ein Poesiealbum in England und Deutschland 1988/89

Dienstag, 16. Mai 2023

Sprüche für das Poesiealbum von 1924 bis 1946

 Gebet

Ertrage du's , lass schneiden dir den Schmerz

Scharf durchs Gehirn und wühlen hart durchs Herz –

Das ist der Pflug, nachdem der Säman sät,

daß aus der Erde Wunden Korn entsteht.


Korn, das der frommen Seele Hunger stillt –

Mit Korn, oh Vater, segne mein Gefild;

reiß deinem Pflug erbarmungslos den Pfad,

Doch wirf auch ein in seine Furchen Saat!

([Ferdinand] Avenarius)

"Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben

Alle Dinge zum besten dienen." Röm. 8,28


Base Droß Kassel, 8.II.1924


Ein Mensch muss stark genug sein,

die Ungleichart des Leibes und des Geistes,

Gutes und Schicksals zu ertragen

und sich aus der Eigenart seiner Unvollkommenheit

die Vollkommenheit seiner Eigenart zu schmieden

(Rathenau)


Cassel, den 17. Februar 1924

M. Cossmann


Finde dich, sei dir selber treu,

lern dich verstehen, folg deiner Stimme,

nur so kannst du das Höchste erreichen.


Man ist so groß als das Höchste, das man erkennt,

so reich als das Unermesslichste, das man begehrt.

Bettina von Brentano

Kassel, den 12. Januar 1928.

Gertrud Cybulla.


Lass uns besser werden;

Gleich wird es besser sein.

Overbeck


Kassel, den 15. März 1928

Kratsch, Oberstudiendirektor


Wenn der Pöbel aller Arten

tanzet um die goldnen Kälber:

Halte fest! – Du hast von allem

Doch am Ende nur dich selber.

(Th. Storm)

Eschwege, 27.5.[19]46

Ewald Reck